10. August 2012

Tarot als Inspiration für Rio Reisers Ton Steine Scherben

Die Band "Ton, Steine, Scherben" nahm ein komplettes Album mit Tarot-Hintergrund auf. (© Konovalov Pavel - Fotolia.com)

Die Band "Ton, Steine, Scherben" nahm ein komplettes Album mit Tarot-Hintergrund auf. (© Konovalov Pavel - Fotolia.com)

In den 70er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts waren „Ton, Steine, Scherben“ trotz geringer kommerzieller Durchschlagskraft die vielleicht wichtigste Band Deutschlands, mindestens aber der politisch geprägten deutschsprachigen Rockmusik. In den beginnenden 1980ern musste die Gruppe um Sänger Rio Reiser sich nach verschiedenen persönlichen und musikalischen Krisen – der Punkrock hatte das Manifest des Widerstands für sich in Anspruch genommen, Hippie-Ideale waren aus der Mode gekommen, und Synthie-Pop und New Wave bzw. deren deutscher Ableger der Neuen Deutschen Welle schickten sich an, die neuen Leitlinien der Populärmusik zu werden – wieder neu (er)finden. Als Mittel dazu sollte die lange Tradition des Tarot dienen. Durch den Einsatz von Tarot-Karten glaubte die Band, Einsichten über das eigene Schicksal und die Zukunft erlangen zu können, und den Bandkernmitgliedern sollte diese Tradition ebenfalls beim Neuanfang behilflich sein.
Auf diese Weise – die Band legte die Karten und ließ sich vom jeweiligen Motiv zu den Texten inspirieren und auch festlegen, wer bei welchem Lied Text und wer Musik schreiben sollte – entstanden 21 der 22 Songs, die auf dem im März 1981 veröffentlichten Doppelalbum „IV“ zu finden sind. Bei einigen Titeln, wie etwa „Gold“, einem luxuskritischen Lied, dem die Karte “Herrscher” zu Grunde lag, oder „Der Turm stürzt ein“, einer “Turm von Babel”-Allegorie in Anlehnung an die gleichnamige Karte, ließ sich der Bezug zum Tarot noch recht eindeutig erkennen. Bei Texten wie dem von „Wiedersehen“ mit der Karte des Eremiten als Basis, wobei der Text – eine reine Ansammlung von Vornamen – den Weg des Einsiedlers zurück in die Welt darstellen sollte, ist der Bezug zum Tarot deutlich kryptischer. Das Album war kommerziell nicht sehr erfolgreich, wird aber heute als Meilenstein der deutschsprachigen Rockmusik gesehen. Das ganze Tarot-Konzept hinter dem Album wurde übrigens jahrzehntelang von den überlebenden Bandmitgliedern geheim gehalten, bis Scherben-Bassist Kai Sichtermann im Jahre 2001 in der TSS-Bandbiographie “Keine Macht für niemand” das Geheimnis der kryptischen Entstehungsweise lüftete.

 

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